Heinrich Seuse

Namenstage: Heinrich

Funktion: Seliger, Ordensmann, Mystiker

Gedenktag: 23. Januar

Heinrich Seuse (auch: Suso oder – nach seinem Vater – Heinrich von Berg) wurde am 21. März 1297 wahrscheinlich in Konstanz geboren und entstammte der Thurgauer Adelsfamilie von Berg. Im Alter von 13 Jahren trat er in das Dominikanerkloster zu Konstanz ein. Mit 18 Jahren hatte Heinrich erstmals mystische Visionen; von da an führte er ein strenges Leben der Askese und Selbstgeißelung, schlief kaum noch und nahm so wenig Nahrung wie möglich zu sich. Der Überlieferung nach soll sich Heinrich mit einem Griffel das IHS-Monogramm in die Haut geritzt haben.
Um 1322 ging Heinrich nach Köln,wo er ein treuer Schüler des Theologen und Philosophen Meister Eckhart (1260–1328) wurde. Nach seiner Rückkehr nach Konstanz wurde Heinrich um 1326 Lektor; allerdings machte er sich wegen seiner Verteidigung der Ideen Meister Eckharts und mit seinem »Büchlein der Wahrheit«, das sich an der Mystik seines Lehrers orientiert, zahlreiche Feinde. Schließlich wurde Heinrich 1330 vor ein Ordensgericht gestellt und der Ketzerei und des Betruges bezichtigt. Heinrich beugte sich der Kirchenmacht und war fortan in erster Linie als Wanderprediger und Seelsorger in Frauenklöstern am Oberrhein und in der Schweiz tätig.
Während des Investiturstreits zwischen Papst Johannes XII. (1245 oder 1249–1334) und Ludwig IV. von Bayern (1282–1347) war Heinrich gezwungen, wegen seiner papsttreuen Haltung mit anderen Dominikanern nach Dießenhofen (Schweiz) ins Exil zu gehen, wo er von 1343 bis 1344 als Prior tätig war. Verleumdungen und Anschuldigungen verfolgten ihn jedoch auch dort, und so wurde Heinrich nach dem Tod Ludwigs schließlich ins Dominikanerkloster nach Ulm versetzt, wo er am 25. Januar 1366 verstarb und im Kreuzgang des Klosters beigesetzt wurde.
Am 16. April 1831 wurde Heinrich von Papst Gregor XVI. seliggesprochen.
Die Dominikanernonne und spätere Priorin des Klosters Töss bei Wintherthur, Elsbeth Stagel (um 1300–1360), war eine Vertraute Heinrichs. Sie sammelte seine Briefe (»Briefbüchlein«, »Das große Briefbuch«) und war Mitherausgeberin seiner autobiographischen »Vita«. Heinrichs Andachtsbuch »Büchlein der ewigen Weisheit« fand im 14. und 15. Jahrhundert in ganz Europa Verbreitung und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Darstellung: als Dominikaner in weißem Habit und schwarzem Kapuzenmantel

Attribute: Griffel, Kranz aus Rosen, Baum, Hund (mit rotem Tuch oder Lilie im Maul), IHS-Monogramm, Jesuskind

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010