orthodoxe Ostkirchen 5. Juli
Patronat: des Trinitarierordens, der Gärtner, Kinder, Jungfrauen, Verlobten und der Keuschheit
Agnes stammte aus einer vornehmen römischen, bereits christlichen Familie und starb als junges Mädchen für ihren Glauben den Märtyrertod – entweder 258/59 unter Kaiser Valerian (253–59) oder 304 unter Diokletian (284–305). Wie ihre sizilianische Leidensgenossin Agatha wurde Agnes bereits in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts in Rom, bald auch außerhalb Italiens als Heilige verehrt, und seit dem 6. Jahrhundert wird ihr Name im Messkanon, dem Hochgebet, genannt. Ihre Vita ist weitgehend legendär und ähnelt der von Agatha:
Wegen ihrer außergewöhnlichen Schönheit erhielt Agnes schon als Zwölfjährige mehrere Heiratsanträge, die sie alle mit der Begründung ablehnte, dass sie bereits versprochen sei. Auch der Sohn des Stadtpräfekten warb vergeblich um sie und wollte den Namen ihres Auserwählten wissen. Als Agnes ihm Jesus Christus als ihren Verlobten nannte, denunzierte er sie bei seinem Vater als Christin. Sie wurde vor Gericht gestellt und, da man sie weder durch Drohungen noch durch Bitten dazu bewegen konnte, ihrem Glauben abzuschwören, nackt in ein Freudenhaus gebracht. Aber ihre langen Haarlocken umhüllten ihren Körper wie ein dichter Mantel, und als der Sohn des Präfekten sie berührte, fiel er tot um. Durch Agnes’ Gebet wiedererweckt, klagte er sie öffentlich der Zauberei an, worauf man sie zum Verbrennungstod verurteilte. Doch im Domitian-Stadion (Circus Agonalis) ins Feuer geworfen, wichen die Flammen vor ihr zurück. So starb Agnes letztlich durch das Schwert des Henkers und wurde von ihren Angehörigen in einer unterirdischen Begräbnisstätte (Katakombe) in der Via Nomentana begraben.
Über Agnes’ Grab wurde nach Beendigung der Christenverfolgungen unter Kaiser Konstantin I. dem Großen (306–37; Heiliger) die Kirche Sant’Agnese fuori le mura (St. Agnes vor den Mauern) errichtet – der Überlieferung nach von seiner nahen Verwandten Konstantia (Heilige) gestiftet –, die Papst Honorius I. (625–38) erneuern ließ. Dort werden jedes Jahr am 21. Januar zwei Lämmer geweiht, aus deren Wolle man später Pallien fertigt, weiße Schulterbinden mit sechs schwarzen Kreuzen, die der Papst den Erzbischöfen als Insignien ihrer Würde überreicht. Eine weitere, im 8. Jahrhundert zu Ehren der Heiligen Agnes an der Stätte ihres Martyriums errichtete Kirche wurde Mitte des 17. Jahrhunderts im Auftrag von Papst Innozenz X. (1644–55) von dem berühmten Barockarchitekten Francesco Borromini neu gebaut (Sant’Agnese in Agone auf der heutigen Piazza Navona). 1048 veranlasste Papst Damasus II. Reliquientranslationen nach Brixen und Utrecht sowie in mehrere deutsche Städte.
Darstellung: als jugendliche Braut
Attribute: Buch oder Schriftrolle, langes Haar; Tauben (als Symbol der reinen Seele), Lilie (als Zeichen ihrer Jungfräulichkeit), Lamm (Symbol Christi und der Keuschheit sowie Anspielung auf ihren Namen); Scheiterhaufen, Dolch oder Schwert, Palmzweig, Blumenkranz (Martyrium)

Quelle: Herder-Verlag
