Unser Vorbild ist die Heilige Lioba
Unsere Ordenspatronin, die hl. Lioba, war Wegbegleiterin des hl. Bonifatius, des „Apostels Deutschlands“ im 8. Jahrhundert. Mit einer Gruppe von Benediktinerinnen kam sie von England nach Deutschland, um hier die Grundlagen für eine christliche Unterweisung und Kulturarbeit zu schaffen in besonderer Sorge für Frauen und Kinder. Sie lebte im Kloster in Tauberbischofsheim und wurde in Fulda begraben. Dort wird sie auf dem Petersberg auch heute noch verehrt.
Ihr Biograph schreibt: „Alles vermögend war ihr Glaube, von großer Geduld erfüllt ihre Hoffnung, dem Nächsten zugewandt ihre Liebe.“
Durch ihr gewinnendes Wesen, ihr Werk und ihre Hingabe an die Aufgaben ihrer Zeit und ihres Umfeldes ist sie uns ein Vorbild. Wir sehen in ihr eine tatkräftige und glaubensstarke Frau, die ihren Dienst in der Kirche selbständig und verantwortungsbewusst ausübte.
An den Stätten ihrer besonderen Verehrung -Tauberbischofsheim und Petersberg/Fulda – sind unsere Schwestern präsent.
Etwas über die hl. Lioba
Die Geschichte aus der Vita der hl. Lioba, in der beschrieben wird, wie sie eine verheerende Feuersbrunst zum Erlöschen bringt. In der Siedlung, zu der das Kloster Bischofsheim, gehörte, war ein Brand ausgebrochen. Bei der damaligen Holzbauweise und dem Hantieren mit offenem Feuer sicher keine Seltenheit. Die Leute hatten da Erfahrung. Da gab es kein Zögern, kein Nachdenken. Sie kannten die Gefahr, wenn das Feuer außer Kontrolle gerät, sie hatten den Fluss unmittelbar neben der Siedlung. Sie kämpften sicher mit aller Kraft, denn es ging ums Überleben. Denn selbst wenn sie dem Feuer entfliehen könnten, wer würde ihnen helfen, wenn sie ohne alles zurückblieben? Sie würden elend umkommen. Sie kämpften um ihre ganze Existenz. Und auch hier musste – wohl nach langem Kampf – die Situation der völligen Hilflosigkeit und Entmutigung eingetreten sein, denn durch heftigen Wind getrieben breitete sich das Feuer unaufhaltsam aus. Sie hatten aufgegeben. Das Geschrei der wirr umhereilenden Leute, die um ihr Leben fürchten mussten, war schon im Kloster zu hören.
"Alle eilten zur Äbtissin. Sie bestürmten sie, sie solle doch eilends beten, dass die drohende Gefahr abgewendet werde. Sie aber, die immer besonnenen Geistes war, wurde durch nichts aus der Ruhe gebracht. Vielmehr befahl sie, aus dem Fluss oberhalb des Eintritts in das Kloster – der Fluss ging nämlich mitten durch das Kloster hindurch – ein Gefäß mit Wasser zu füllen und schnell zu bringen."
Spätestens jetzt muss man sich fragen, was in Lioba gefahren ist. Nur Löschen hilft und sie schickt jemanden weiter weg, um e i n Gefäß füllen zu lassen! Sie selbst geht und holt Salz, das vom hl. Bonifatius geweiht worden war und streute es in das Wasser mit dem Auftrag an die Leute: „Geht und schüttet das Wasser in den Fluss. Dann soll jeder aus dem Fluss unten schöpfen und soll damit den Feuerbrand zu löschen suchen.“ Sie hätte ja versuchen können, die Leute zu ermutigen mit „Ihr schafft das schon, vorwärts“, ihr Gebet versprechen, sie hätte Ratschläge und Anweisungen geben können, versuchen das Durcheinander zu organisieren. Sie muss gespürt haben, dass die erschöpften und durch die Erfolglosigkeit entmutigten Menschen in ihrer panischen Angst durch Worte allein nicht mehr zu erreichen waren, hatten sie doch schon alles versucht. Wenn man schöpft und schöpft und rennt und rennt und es wird alles noch schlimmer und man ist mit seinen Möglichkeiten am Ende und kann einfach nicht mehr, dann hilft das nichts. Das geweihte Salz appelliert an das innere Wissen, dass Gottes Kraft stärker ist, dass im Vertrauen auf Gottes Hilfe doch alles möglich ist und das Feuer eben keine dämonische Macht hat. Nachdem das gesegnete Wasser hineingegossen war, wurde das ganze Flusswasser plötzlich ein Bild für die helfende Macht Gottes, dem sie vertrauen konnten wie sie es vom hl. Bonifatius und Lioba kannten. Sie waren nicht mehr allein in einer übermächtigen Gefahr. Alle halfen jetzt mit, wie Lioba sie aufgefordert hatte, weil sie Hoffnung hatten, anstatt wie vorher wirr durcheinander zu rennen auf der Flucht oder mit dem Versuch doch noch etwas von ihrer Habe zu retten. Und plötzlich war alles anders: „Kaum hatte sie das getan, da wurde die ganze Feuersbrunst gelöscht … wie wenn ein Regen vom Himmel sie erstickt hätte. Kein weiteres Haus wurde mehr Opfer der Flammen. Verwirrt durch das Wunder lobte das ganze Volk Gott, das durch den Glauben und das Gebet seiner Dienerin Lioba sie so schnell von einer großen Gefahr befreit hatte.“
Vielleicht könnte mancher beim Lesen nostalgisch werden und denken, dass es früher die Menschen leichter hatten, bei Gott und seinen Heiligen Zuflucht zu suchen, von ihnen Hilfe zu erwarten und daraus Kraft und Mut schöpfen als wir heutigen Menschen, weil ihnen der Himmel, der Glaube, Gott und die Heiligen einfach näher waren. Menschen früherer Zeiten waren für die Bilder und Symbole für die göttliche Nähe empfänglich und „der Himmel“, die „himmlischen Mächte“, die Kraft Gottes waren für sie nicht fern und unwirklich, wie es viele Menschen heutzutage erscheint. Ist uns da aber nicht etwas Wichtiges verloren gegangen, dem man nachspüren sollte? Man kann alles auch als Autosuggestion abtun oder reinweg psychologisch erklären. Aber die Frage sollte schon ein wenig in uns bohren, was denn bei mir trägt, wenn nichts mehr trägt, was ich tue, wenn ich nicht mehr kann, was mich hält, wenn alles wegbricht, was mich bewegt, wenn Worte nichts mehr sagen und mir nichts mehr einfällt, ich am Ende bin. Und wer jetzt eine Dankbarkeit in sich aufsteigen spürt, weil er glauben darf, weil er sich in Gottes liebender Gegenwart geborgen weiß und vielleicht schon oft erfahren durfte, welche Kraft und auch welche Sicherheit die Liebe Gottes schenkt, der sollte nicht versäumen Gott zu danken, ihm auch für die Menschen danken, die ihm diesen Glauben vermittelt haben, unmittelbar im eigenen Leben, in der Kindheit vielleicht oder sonst auf andere Weise vermittelt. Man sollte Gott danken für die vielen Menschen, die Apostel, die Glaubenszeugen durch die Jahrhunderte – den hl. Benedikt, den hl. Bonifatius und eben auch die hl. Lioba eingeschlossen – ja letztlich für die ganze Kirche über Raum und Zeit hinweg, die diesen Glauben über Jahrhunderte bis heute weitervermittelt und bezeugt, so dass er auch mich erreichen konnte. Und jetzt bin ich gefordert, ja unsere ganze Generation ist gefordert uns zu fragen: Was geben wir weiter? Und wenn wir ahnen, was es heißt nicht glauben zu dürfen und allein auf die eigenen Möglichkeiten geworfen zu sein – aus welchen biographischen oder persönlichen Gründen auch immer – dann ahnen wir vielleicht auch, wie wichtig es ist für diesen Glauben in unserem Land zu kämpfen, wie es die hl. Lioba vor über 1200 Jahren tat. Ihre Gottverbundenheit strahlte so aus, dass man etwas von ihr erwartete, als der eigene Glaube und die eigene Kraft nicht mehr reichten und plötzlich war – im Vertrauen auf Gottes helfende Gegenwart – alles möglich.
